170 Jahre zwischen Glas, Licht und Design. Die Glasfachschule in Šenov knüpft an Traditionen an und hält mit modernen Trends Schritt
Die Mittelschule für Glasgestaltung in Kamenický Šenov feiert in diesem Jahr ihr 170-jähriges Bestehen. Wie schafft es die älteste noch bestehende Glasfachschule der Welt, deren Einfluss längst über die Grenzen der Region hinausreicht, in einer sich immer schneller drehenden Welt Schritt zu halten?
Siebzehn Jahrzehnte sind eine lange Zeit – doch wenn wir uns die Wurzeln der SUPŠS ansehen, tauchen wir noch tiefer in die Geschichte ein. Die Einrichtung knüpft nämlich an die Sonntagsschule für Zeichnen aus dem Jahr 1839 an. Dies spiegelt sich auch im Studienangebot wider: Man kann sich für angewandte Malerei oder für den Studiengang „Gestaltung von Glas und Lichtobjekten“ einschreiben.
Unter den anderen Kunstgewerbeschulen sticht die in Kamenický Šenov durch ihren Praxisbezug und die Einbindung moderner Technologien in den Unterricht hervor. „Unsere Schule baut auf dem Erbe der Region auf, die seit Generationen mit der Glasherstellung und der Produktion von Leuchten verbunden ist. Gleichzeitig sind wir nicht nur Hüter der Tradition – wir entwickeln den Fachbereich aktiv weiter, reagieren auf aktuelle Herausforderungen und bereiten die Schüler auf eine konkrete berufliche Zukunft in kreativen Bereichen sowie in der breiteren Arbeitswelt vor“, sagt Schulleiter Jakub Jelínek.
Er weiß einiges über die Berufsmöglichkeiten nach dem Abschluss an der SUPŠS. Denn er selbst hat die Schule – mit dem Abitur in der Tasche – im Jahr 1997 verlassen. Nach fast zwei Jahrzehnten kehrte er zurück, diesmal in einer etwas anderen Rolle.
Kunstglaserei 2.0: Ohne Digitalisierung geht es nicht
„In den letzten Jahren haben wir uns von einer Handwerksschule zu einem modernen Bildungszentrum gewandelt. Wir bringen unseren Schülern bei, wie man 3D-Modelle am Computer erstellt, elektrotechnische Anlagen versteht oder Metalle schweißt. Wir vermitteln ihnen ein Verständnis für die Eigenschaften der Materialien, damit sie in der Lage sind, ein Werk zu entwerfen, zu fertigen und anschließend beispielsweise auch die technische Dokumentation dafür zu erstellen“, erklärt Jakub Jelínek.
Schon zu Beginn ihres Studiums tauchen die Studierenden in den Strudel realer Aufträge ein. Die Schulwerkstätten funktionieren nämlich wie professionelle Ateliers, in denen Designobjekte, Leuchten oder Trophäen für externe Kunden entstehen. So entstanden beispielsweise Preise für die Gewinner der tschechischen Meisterschaft der Blindenführhunde oder für die Agentur für regionale Entwicklung und ihr Programm Techstarter.
„Ohne die Verbindung zur Praxis würden wir stagnieren“, erklärt Jakub Jelínek. Die langjährige Partnerschaft mit Marken wie Preciosa oder Crystalex ergänzt die Synergie mit der Kunstmittelschule in Liberec. „Zukünftige Fotografen kümmern sich um die visuelle Präsentation der Produkte, die von unseren Schülern während ihres Praktikums bei Preciosa Lighting hergestellt werden. Dadurch sehen die Schüler den gesamten Prozess – vom ersten Entwurf im Atelier über die Produktion bis hin zur abschließenden Marketingphase“, fügt er hinzu.
In der Vergangenheit drohte der Fachschule jedoch zweimal die Schließung. In den 1950er Jahren überstand sie eine mehrjährige Schließung aufgrund des Niedergangs der Glasindustrie. Zu Beginn des neuen Jahrtausends setzte sie sich wiederum gegen Bestrebungen zur Fusion mit der Schule in Nový Bor durch. Damals erhielt sie nicht nur aus der Region, sondern auch von der internationalen Fachgemeinschaft deutliche Unterstützung.
Auch die ARR gab den Anstoß zu Veränderungen
Die Entwicklung der Schule wurde in den letzten Jahren auch durch die Partnerschaft mit der Agentur für regionale Entwicklung gefördert. Die Schulleitung knüpfte diese Partnerschaft vor acht Jahren, als sie nach Wegen suchte, die Einrichtungen zu modernisieren, die Studiengänge mit Studierenden zu füllen und eine bessere Verbindung zur Region sowie zur beruflichen Praxis herzustellen.
„Die Zusammenarbeit mit der ARR bringt uns wertvolles Know-how und mehr Sicherheit bei der Umsetzung von Projekten. Sie hat uns auch dabei geholfen, weitere Experten zu finden“, sagt Jakub Jelínek. Die Partnerschaft wurde nach und nach auch auf Vorträge über künstliche Intelligenz und deren Einbindung in die pädagogische Praxis ausgeweitet. Das erste Treffen der Reihe „KI in den Schulen“
fand gerade in Kamenický Šenov statt, weitere dann an der Technischen Universität in Liberec. In der Debatte sprach der damalige Schulleiter Pavel Kopřiva unter anderem über die wachsende Bedeutung der Rolle von Lehrern im Zeitalter generierter Inhalte.
Die Schule ist auch untrennbar mit dem Projekt „Křišťálové údolí“ verbunden, das Glasunternehmen und -institutionen in der Region zusammenbringt und fördert. Sie beteiligt sich an gemeinsamen Veranstaltungen und ist als Vertreterin der Glasfachausbildung auch Teil des Beirats. All dies bietet laut Jelínek viele Gelegenheiten, sich zu präsentieren – das Festival „Crystal Valley Week“ präsentiert studentische Arbeiten, und Kamenický Šenov wird auch bei der damit verbundenen „PechaKucha Night Liberec“ vertreten sein.
Zuvor öffnet die Schule jedoch im Rahmen des hauseigenen Lustrfestes – einem Open-Air-Festival für Glas und Leuchten, dessen Idee genau hier entstanden ist – ihre Türen für die Öffentlichkeit. Während der Veranstaltung können Besucher die Unterrichtsräume, Werkstätten und die Schulgalerie besichtigen und sich selbst im Umgang mit Glas versuchen.
Das diesjährige Lustrfest, das am Freitag und Samstag, dem 12. und 13. Juni, in Kamenický Šenov stattfindet, steht zudem ganz im Zeichen des Jubiläums. „Mit einem Treffen von Absolventen, Studierenden, Lehrkräften und der Öffentlichkeit direkt in der Stadt wollen wir die Feierlichkeiten zum 170-jährigen Bestehen der Schule krönen. Für ein Wochenende kehren Menschen in die Stadt zurück, die die Schule durchlaufen haben, aber auch solche, die die Glasmacherei gerade erst entdecken“, schließt Jakub Jelínek.
Kommen auch Sie zum Lustrfest 2026!